Mouna Moksha Films

Workshops

In den "Enquiries"-Videos beantwortet Stephen Wolinsky einige der grundlegenden Fragen, die Suchenden auf ihrem Weg begegnen.



This div will be replaced

F: Wenn es kein Karma gibt, gibt es dann Schicksal?
F: Gibt es in der Post-Dekonstruktion einen Gott?
F: Das klingt sehr nihilistisch. Ist es Nihilismus?
F: Warum sind wir hier?
F: Gibt es spirituelle Erfahrungen?
F: Was ist Erleuchtung?
F: Wer bin ich?

Wenn es kein Karma gibt, gibt es dann Schicksal?

Stephen Wolinsky: In DVD1 haben wir deutlich erklärt, warum es kein Karma geben kann. Wiederholen wir es kurz: wenn es nur eine Substanz gibt und alles ist die gleiche Substanz, so gibt es kein getrenntes, individuelles "Ich", das eine bestimmte Sache verursachen könnte und einen getrennten, individuellen Effekt haben könnte.

Das Wort Schicksal möchte ich gerne aus zwei Richtungen angehen. Lasst uns zunächst einmal wieder annehmen, dass alles Wasser ist, alles aus der gleichen Substanz gemacht ist. Du bist ein Tröpfchen Wasser. Und nun glaubst Du, dass Du getrennte, individuelle Grenzen besitzt, die Dich vom Rest des Ozeans trennen.

Dieses Tröpfchen Wasser macht eine Reise. Diese Tröpfchen Wasser startet im Pazifik, fließt hierhin, fließt dorthin, und landet schließlich an einem Strand in Santa Cruz.

Diese Reise, diese Traverse ist (in Anführungszeichen) "Dein Schicksal". Du kannst sie nicht ändern, denn der Ozean trägt Dich. Der Ozean des Bewusstseins, die eine Substanz entsteht und vergeht, und bewegt Dich dahin, wohin sie Dich bewegt. Du kannst Dein Schicksal nicht ändern.

Ich sprach einmal zu Prakashananda Baba über Schicksal, Gott und Befreiung und er sagte zu mir: "Bewusstsein hat bereits entschieden, wohin und wie es Dich bewegen wir. Warum sich also Sorgen machen???"

nach oben

Gibt es in der Post-Dekonstruktion einen Gott?

Stephen Wolinsky: Die Frage nach Gott drückt bei vielen Leuten die Knöpfe, denn viele haben diese Idee, dass es da einen getrennten, individuellen Gott gäbe, der oben im Himmel schwebt und irgendwie diese ganze Show am Laufen hält. Und wenn ich diese guten Dinge tue, bin ich im näher als wenn ich diese schlechten Dinge tue. Wenn ich diese schlechten Dinge tue, bin ich offensichtlich weiter weg.

Nun, wenn es nur eine Substanz und nicht zwei gibt, so kann es keinen getrennten, individuellen Gott geben und kein getrenntes, individuelles Du. Alles ist aus einer Substanz gemacht.

Im 13. Jahrhundert nannte Jnaneshwar Maharaj sie die Göttliche Substanz. Man kann es göttliche Substanz nennen oder Brahma oder Bewusstsein oder Die Substanz, aber es gibt nur eine Substanz. Advaita, eine Substanz, nicht zwei. Fängt man an, diese aufzuteilen in einen getrennten, individuellen Gott und ein "Ich", dann erhält man auch einen spirituellen Weg. Wenn ich diese Dinge tue, komme ich Gott näher, wenn ich sie nicht tue, entferne ich mich von ihm. Das Problem ist, dass dies eine archetypische Repräsentation ist und jede archetypische Repräsentation hält sich selber am Leben. Egal, auf welchem spirituellen Weg Du bist, egal, welches Yantra, Mantra oder Tantra Du ausübst, Du wirst es mehr und mehr und mehr und mehr ausüben, weil Du innerhalb der archetypischen Repräsentation von "Ich bin" und "es gibt hier einen Gott" verweilst.

Beide sind sie abstrahierte Repräsentationen von nichts, beide sind sie aus der gleichen Substanz gemacht und daher sind sie beide nicht. Im Buddhismus sagt man, Form ist Leere und Leere ist Form. Wenn alles die gleiche Substanz ist, und Form Leere und Leere Form ist, dann gibt es weder Form noch Leere. Buddhisten möchten nicht darüber sprechen, dass es im Buddhismus keinen Gott gibt. Es gibt einfach nur Leere und Form, die nicht sind. Um also Deine Frage zu beantworten: Gibt es einen Gott? Es gibt keinen getrennten, individuellen Gott genauso wie es kein getrenntes, individuelles Selbst oder keine getrennte, individuelle Seele gibt, die von Leben zu Leben zu Leben reinkarniert. Das ist, wie erwähnt, die Essenz des Buddhismus. Jemand kam zu Maharaj und sagte: Gott erschuf das Universum und ich verehre Gott... Maharaj antwortete: Wer war zuerst da, Du oder Gott? Maharaj sagte ganz deutlich: Zunächst musst Du da sein, das Ich bin muss da sein. Wenn erst das Ich bin da ist, kann alles phantasiert werden, jeder beliebige Begriff kann erschaffen werden.

Das große Problem bei diesem Thema ist, dass das Gott-Konzept im Nervensystem fest verdrahtet ist.

nach oben

Das klingt sehr nihilistisch. Ist es Nihilismus?

Stephen Wolinsky: Für mich steht Nihilismus für bedeutungslos, leer, ohne Bedeutung. So als wäre nichts wichtig.

Dies drückt bei Leuten die Knöpfe, weil bedeutungslos schlecht ist und leer schlecht ist. Und dies geschieht, weil bedeutungslos mit einem schlechten Gefühl verschmolzen wurde. Leer oder Leere wird mit Depression verschmolzen, mit der Wertlosigkeit des Lebens.

Wenn Du all dies dekonstruierst und ent-schmilzt, und die eine Substanz von leer, Leere, Depression trennst, und bedeutungsvoll oder bedeutungslos davon trennst, so sind dies nur zwei Konzepte, die mit nichts irgendwas zu tun haben. Dann siehst Du, dass das Wort Nihihlismus "Konnotationen" in sich trägt, die unangenehm sind.

Die Wahrheit ist, sind erst einmal Nihilismus und bedeutungslos, leer, Leere, als abstrahierte Repräsentationen voneinander getrennt, so beginnst Du zu verstehen, dass selbst das Konzept von Leere, selbst der Wissende um die Leere, aus der gleichen Substanz sind wie die Leere und somit nicht sind. Dies und all dies kann man am besten so verstehen:

Maharaj wurde gefragt: “Wer bist Du?”

Seine Antwort: “Nichts wahrnehmbares oder vorstellbares”.

Nun, wie kann die Post-Dekonstruktion sich selber dekonstruieren?

Wenn ich wahrnehmen oder mir vorstellen kann, dass es nur eine Substanz gibt, so ist es das nicht.

Es ist weder wahrnehmbar noch vorstellbar.

nach oben

Warum sind wir hier?

Stephen Wolinsky: Kommen wir zurück zu Nagarjunas: “Nichts kommt, nichts geht.”

Die Metapher, die ich da am liebsten verwende, und wie gesagt, eine Metapher ist eine beschreibende Repräsentation von etwas, das nicht existiert, also die Analogie ist, wenn alles Wasser ist, alles aus einer Substanz wäre, was geschieht mit der Frage von Kommen oder was geschieht mit der Frage von Gehen. Es braucht ein getrenntes, individuelles Ich oder Selbst, um zu sagen, dies kommt, dies geht. Ansonsten gibt es so etwas wie Kommen oder Gehen nicht. Hast Du erst einmal die getrennte Substanz, die sagt: "ich kam hierher, warum bin ich hier?", so kannst Du unendlich viele Geschichten erfinden, vergangene Leben, zukünftige Leben, Karma, Lektionen, Inkarnationen, Balancieren, Du kannst ewig so weitermachen. Erkennst Du, dass es nur eine Substanz gibt und nicht zwei, und dass selbst diese eine Substanz nicht ist, so verschwindet alles, Nirvana ist Auslöschung.

nach oben

Gibt es spirituelle Erfahrungen?

Stephen Wolinsky: Es gibt unendlich viele Erfahrungen, die wir spirituell nennen können, wenn wir blaues Licht, Gott oder Göttinnen sehen. Wir können sie weltlich nennen, wenn wir Geld sehen, oder Häuser oder Sex oder so etwas. Die Wahrheit ist aber, dass alle Erfahrungen vom Wahrnehmenden abhängen. Alle Erfahrungen hängen vom Wahrnehmenden ab und alle Erfahrungen, seien sie "spirituell" oder "weltlich" sind genau nur das: einfach Erfahrungen. Maharaj betonte immer wieder, alle Erfahrungen zurückzuweisen.

Als ich in Indien lebte, hatten alle, die ich kannte, die Idee: Ich möchte Liebe, ich möchte Verzückung, ich möchte Freude, ich möchte Glück. Und unausgesprochen: Nimm meinen Hass, Nimm meinen Ärger, nimm meine Eifersucht, nimm meine Angst. Dies wollten sie loswerden.

Eines Tages, es war ungefähr 1978, erkannte ich im Gehen, dass jeweils beide, Liebe und Hass, Freude und Kummer, dass sie alle aus der gleichen Substanz gemacht waren und sie verschwanden alle.

Spirituelle Erfahrungen haben zwei Probleme: erstens, dass sie von einem Ich abhängen und zweitens, dass sie Dir das Gefühl geben, Du würdest sie machen. Spirituelle Erfahrungen sind einfach nur Erfahrungen. Und als Erfahrungen müssen sie als "nicht dies, nicht das" losgelassen werden, denn sie sind eine abstrahierte Repräsentation von etwas, das nicht existiert.

nach oben